1 ErfahrungsberichtInsanus
qwertfisch edited this page 9 months ago

Im Jahre 1998 erlernte ich das 10-Finger-System. Natürlich mit Qwertz. Etwas anderes kannte ich damals nicht und ohne Internet kam ich auch nicht zufällig darauf, dass es noch etwas Besseres oder überhaupt etwas anderes geben könnte.

Wenige Jahre später stieß ich zufällig auf das alternative Layout von Dvorak. Dadurch wurde ich auch erstmalig auf diese Alternative aufmerksam, allerdings sagte es mir wenig zu ein auf englisch optimiertes Layout zu lernen. Danach folgten wieder Jahre des Qwertz-Schreibens, auch wenn mich die Idee einer Alternative nie losgelassen hat. Zwischendurch kam ich nochmal auf Dvorak, lehnte es aber aus den gleichen Gründen wie beim ersten mal ab.

Vor sechs Wochen, Anfang Juli 2012, hörte ich in einer Vorlesung an der Uni von der Pfadabhängigkeit von Technologien und als Paradebeispiel dafür wurde natürlich Qwertz angeführt. Direkt danach suchte ich nochmal auf Wikidedia nach Dvorak und stieß auf ein paar andere Layouts wie RISTOME, Enti-Key++, de-ergo und eben auch Neo 2.

Nachdem ich mich mit allen ein bisschen beschäftigt habe hat mich Neo 2 am meisten überzeugt. Das war auch nötig, dann nach 14 Jahren mag ich nicht mehr aus einer Laune heraus ein neues Layout lernen, zumal ich es täglich nutze. Aber gerade die tägliche Nutzung machte es für mich attraktiv, eine Chance zur Optimierung wahrzunehmen.

An Neo 2 gefielen mir vor allem die vielen Ebenen, da ich so viele Sonderzeichen wie die verschiedenen Bindestriche und Leerzeichen, deutsche Anführungszeichen und Apostroph direkt eingeben kann, die ich im Studium ständig brauche. Auch die bequeme Lage der Sonderzeichen hatte es mir angetan.

Die Installation ging, nicht zuletzt dank der wunderbaren Anleitung in der Wiki, wunderbar einfach und schnell. Das Erlernen dieses Systems nahm natürlich etwas mehr Zeit in Anspruch.

Um damit möglichst schnell Fortschritte zu machen prägte ich mir die Anordnung der Buchstaben mit Hilfe eines Lernprogramms möglichst schnell ein. Dass dies nur gut eine Woche dauerte nehme ich als Indiz dafür, dass Neo 2 tatsächlich weitaus leichter erlernbar ist als Qwertz. Wobei ich nicht beurteilen kann, ob es mir leichter fiel, weil ich ja schon mal ein 10-Finger-System gelernt habe.

Von da an schrieb ich (fast) nur noch in Neo 2. Zu Beginn noch mit rund 70 Anschlägen pro Minute bei Text. Glücklicherweise wurde ich jedoch täglich schneller.

Vor einer Woche (fünf Wochen nach meinem Einstieg in Neo 2) deaktivierte ich das alte Qwertz-Layout. Wer nun an meinen Rechner will hat eben Pech gehabt. So kann ich ganz egoistisch sein und die Schuld auf Qwertz schieben, das so noch einen Nachteil mehr hat. unschuldig pfeif

Der Anfang war quälend, tippen wie ein Anfänger, aber da musste ich durch. Auch in Chats. Aufklärung meiner Chatpartner brachte meist das nötige Verständnis, mitunter auch Kopfschütteln. Der erhoffte Werbeeffekt blieb allerdings aus, fürchte ich. Mittlerweile tippe ich mit Neo 2 jedoch kaum noch langsamer als mit Qwertz, nur die Fehlerquote ist noch etwas höher. Dagegen hilft nur üben und, wenn es zu viele Fehler werden, langsam machen und sich nochmal auf jede einzelne Taste zu konzentrieren. Dann kommt man wieder rein und prägt sich die Tasten sauber ein. Ich hatte den Vorteil, dass ich die ersten Wochen nicht auf schnelles Tippen (z. B. im Büro) angewiesen war und so problemlos Neo 2 üben konnte. Wer beruflich schnell tippen muss wird vermutlich mehr Schwierigkeiten haben.

Während ich anfangs noch kritisch gegenüber Neo 2 war und eine Rückkehr zum alten Qwertz oder nochmaliges Umlernen auf ein anderes Layout nicht ausschloss bin ich mittlerweile vollkommen von Neo 2 überzeugt. Ich habe mir vorgenommen, es drei Monate lang zu testen und mich frühestens dann zu entscheiden. Nun hat es aber nur die Hälfte der Zeit gebraucht. :-)

Ein paar Nachteile hat Neo 2 definitiv, wenn man von Qwertz kommt. Während das Schließen eines Tabs anstatt einen zu öffnen noch eher unkritisch ist wird es beim speichern schon hinterhältig. Zu schnell drückt man auf das Qwertz-j und Neo 2 macht ein „n“ daraus. Weg sind die Änderungen. Zum Glück speichere ich immer über das Kürzel Strg+S um es keinesfalls zu vergessen. Aber ich habe Verständnis für alle, die davon frustriert wieder zurückkehren. Wer häufig an verschiedenen PCs arbeitet hat natürlich ebenso seine Gründe. Ich persönlich umgehe das Problem indem ich den mobilen Treiber (AHK) auf einen USB-Stick kopiert habe, den ich als Schlüsselanhänger immer bei mir trage.

Bei der Verwendung der AHK-Version fiel mir auf, dass dieser ein paar Funktionen mehr hat, so dass ich diesen auch auf meinem Rechner daheim (Win 7) nutze. Besonders der Einhandmodus ist praktisch beim telefonieren. Der Lernmodus sperrt die Cursortasten sowie Backspace und Enter und zwingt verstärkt zur Nutzung der vierten Ebene, die ich nicht mehr missen möchte. Außerdem bietet die AHK-Variante die Möglichkeit, Qwertz zu nutzen und dennoch die 3. bis 6. Ebene mit Neo 2 zu belegen. Praktisch zum programmieren, wenn man nicht vom alten Layout weg will.

Leider macht der AHK Schwierigkeiten auf dem Laptop (ebenfalls Win 7), hier funktioniert er nur in einigen Fenstern. In anderen ist es ein komplett anderes Layout, weder Neo 2 noch Qwertz. Der Tastaturtreiber hingegen arbeitet einwandfrei. Falls jemand eine Lösung für das Problem hat bin ich für Rückmeldungen dankbar! :-)

Mein persönliches Fazit:
Viele Vorteile von Neo 2 dürften mehr oder weniger subjektiv sein, für die Nachteile (die meiner Meinung nach deutlich weniger sind) gilt dies allerdings auch. Die gravierendsten Nachteile ergeben sich dabei, wenn man vor Neo 2 Qwertz gelernt hat. Aber es lohnt sich, gerade für Programmierer, Vieltipper und alle, die Sonderzeichen gern direkt eingeben möchten anstatt sich auf die Autokorrektur zu verlassen.

Also durchhalten, ich finde es lohnt sich! :-)

Beste Grüße
Martin (aka insanus)